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Annex ist eine Spezifikationen die bei DSL-Anschlüssen Verwendung findet. In der Richtlinie G.992.1 für ADSL (Asymmetric Digital Subscriber Line) ist festgelegt, welche Frequenzen für die Sende- und Empfangseinrichtungen über Kupferdoppeladern (Standard Leitungen) von Telefonnetzen verwendung findet.
Diese unterschiedliche Frequenznutzung ist innerhalb der Richtlinie G.992.1 dann in den "Annex" Spezifikationen beschrieben.

Welche Annex Spezifikationen gibt es?

Derzeit sind folgende Annex Spezifikationen festgelegt:

Spezifikation Telefon analog/digital Schutzband Upstream Downstream ADSL/ADSL2 zusätzlicher Downstream ADSL2+
Annex A  Bis 4 kHz  Bis 25 kHz  Bis 138 kHz  Bis 1104 kHz  Bis 2208 kHz
Annex B  Bis 120 kHz  Bis 138 kHz  Bis 276 KHz  Bis 1104 kHz  Bis 2208 kHz
Annex I  --  --  Bis 138 kHz  Bis 1104 kHz  Bis 2208 kHz
Annex J  --  --  Bis 276 kHz  Bis 1104 kHz  Bis 2208 kHz
Annex L  Bis 4 kHz  Bis 25 kHz  Bis 138 kHz  Bis 552 kHz  --
Annex M  Bis 4 kHz  Bis 25 kHz  Bis 276 KHz  Bis 1104 kHz  Bis 2208 kHz

Der Bereich Telefon analog/digital wird für „echte“ Telefonverbindungen im analogen oder digitalen (ISDN) Telefonnetz verwendet. Das "Schutzband" ist im Prinzip ein freier, nicht verwendeter Frequenzbereich zwischen den Frequenzen für die "echten" Telefonverbindungen und den Internet basierten (IP – Internet Protokoll) Daten. Der Frequenzbereich für den "Upstream" wird zum Senden von Internetdaten und der Bereich "Downstream" zum Empfangen von Daten verwendet. Beim schnelleren ADSL 2+ gibt es einen größeren Bereich zum Empfangen von Daten (Downstream).
Bei den Spezifikationen Annex I und Annex J gibt es keinen Frequenzbereich für "echte" Telefonverbindungen. Hier wird alles über das Internet (IP- basierend) abgewickelt. Somit wird auch das Schutzband nicht benötigt.

Wie werden die Spezifikationen eingesetzt?

Annex A, L und M haben nur einen kleinen Frequenzbereich für "echte" Telefone – bis 4 kHz. Diese Spezifikationen eignen sich somit lediglich für analoge Telefone.
Für "echte" digitale (ISDN) Telefonie ist nur Annex B geeignet.

Annex I und J werden bei ausschließlich IP-basierenden Anschlüssen verwendet. Wobei in Deutschland derzeit nur Annex J Verwendung findet.

Annex L ist speziell für sehr lange Leitungswege von der Vermittlungsstelle zum Anwender entwickelt worden. Anschlüsse die mit der Spezifikation Annex L geschaltet werden, nennen sich auch "RE-ADSL2". Das "RE" steht hier für "Reach-Extended". Bei dieser Spezifikation werden, besonders bei den niedrigen Frequenzen, der Sendepegel erhöht. Somit kann gegenüber Annex A, welches mit ähnlicher Frequenzeinteilung arbeitet, eine um etwa 40% höhere Reichweite erzielt werden. Annex L Anschlüsse werden bisher seit etwa 2006 nur in Frankreich geschaltet.

Annex M wurde speziell für Firmenkunden entwickelt. Diese benötigen oft ein höheres Sendevolumen für Daten, können aber auch auf "echte" Telefonanschlüsse nicht verzichten. Über Annex M kann auch in Senderichtung (Upstream) eine Geschwindigkeit bis zu 3,5 Mbit/s erreicht werden. Da Annex M starke Ähnlichkeit mit Annex B und J aufweist, können theoretisch auch hierzulande Annex M Anschlüsse geschaltet werden. Allerdings wurde das bisher, nach meinen Informationen, noch nicht gemacht.

DSL-Anschlüsse in Deutschland

NTBATheoretisch werden in Deutschland derzeit nur drei der genannten Spezifikationen verwendet: Annex A, B und J. Wobei hier Annex A eigentlich auch keine Verwendung findet. Das hat einen einfachen Grund: jede Annex Spezifikation benötigt entsprechende Hardware, die diese unterstützt. Um das für die Anbieter einfacher zu gestalten, verwenden alle Anbieter in Deutschland nur Annex B und J. Über den größeren Frequenzbereich für "echte" Telefone bei Annex B können sowohl analoge, als auch digitale Telefone bereitgestellt werden.

Annex J verwenden die Anbieter für neue Anschlüsse, die (Telefon und Daten) ausschließlich über das Internet (IP- basierend) bereitstellen. Wird ein solcher Anschluss geschaltet, werden beim Kunden auch ganz andere Geräte benötigt. Für das Telefon und den Internetanschluss wird ausschließlich ein Annex J fähiger Router benötigt. Andere Hardware wie Splitter oder NTBA bei digitalen ISDN-Anschlüssen werden nicht mehr verwendet.

Wie DSL-Anschlüsse verdrahtet werden, habe ich in einem >>eigenen Artikel<< ausführlich beschrieben.

Vorteile eines Annex J Anschlusses

Seit ein paar Jahren stellen die Anbieter immer mehr zu IP-basierende Annex J Anschlüsse um. Doch welche Vorteile hat das?

Für den Nutzer verringert sich der Installationssaufwand. Es müssen nicht mehr bis zu drei Geräte (Splitter, NTBA, Router) installiert werden. Für Annex J Anschlüsse reicht ein passender Router, fertig.
Auch für die Anbieter verringern sich damit die Kosten. Ein Annex J Router ist, wenn überhaupt, nur unwesentlich teurer als ein Router für Annex B Anschlüsse. Weitere Geräte brauchen nicht abgegeben werden.
Aber einer der Hauptvorteile für die Anbieter ist, dass nur noch IP basierende Daten übertragen werden müssen. Das vereinfacht die Übertragung deutlich. Für den Upstream wird dadurch ein deutlich breiteres Frequenzband genutzt, was eine schnellere Verbindung zulässt, oder der Anbieter kann Anschlüsse mit einer weiteren Entfernung von der Vermittlungsstelle erreichen.

Bei Annex B sind Geschwindigkeiten von maximal 1 Mbit/s (Upstream) und 12 Mbit/s (Downstream bei ADSL2) möglich. Annex J bietet dagegen 3,5 Mbit/s (Upstream) und 12 Mbit/s (Downstream bei ADSL2) bzw. 24 Mbit/s (Downstream bei ADSL2+).

Fazit

DSL-Anschlüsse über Annex J werden immer häufiger geschaltet werden. Die Telekom hatte sogar angekündigt, bis in ein paar Jahren, alle Anschlüsse auf IP basierende Annex J Anschlüsse umzustellen. In wie weit sich das so verwirklichen lässt, bleibt abzuwarten. Sicher werden aber neue Anschlüsse voraussichtlich nur noch Annex J Anschlüsse sein.

Ob und wann auch bei uns andere Spezifikationen verwendung finden werden, bleibt abzuwarten. Allerdings stehen mit Annex B und Annex J derzeit Spezifikationen mit ausreichend Leistung zur Verfügung.

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Letzte Aktualisierung: 25.02.2017
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