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Die Abkürzung "AACS" steht für "Advanced Access Content System". Bei AACS handelt es sich um einen neuen Kopierschutz, der speziell für die "Blu-ray-Disk", "HD-DVD" und für das "IPTV" entwickelt wurde. Denkbar wäre die Verwendung auch bei der Ausstrahlung von HDTV über DVB-S2. Im Gespräch hier ist aber auch "DVB-CPCM". Sicher wird heute AACS aber bei der "Blu-ray-Disk" und früher auch bei der "HD-DVD" angewendet.

 

Was ist AACS für ein Kopierschutz?

 

AACS ist nicht nur ein einfacher Kopierschutz, sondern ein ganzes Schutzsystem! Es arbeitet wie ein "DRM (Digitales Rechte Management)". Man bezeichnet AACS daher auch als "DRM System". AACS ist so ausgelegt, dass der Rechteinhaber für jedes Medium festlegen kann, wer dieses wo und wie lange abspielen darf. Auch kann festgelegt werden, ob das Medium kopiert werden kann und wenn ja, wie oft und in welcher Qualität. Selbst das sperren von bestimmten Laufwerken ist vorgesehen.

 

Warum überhaupt ein solcher Kopierschutz?

 

Besonders die Filmindustrie hat in den letzten Jahren viel gelernt. Heute sind DVDs oder Fernsehfilme meist, zumindest für versierte Nutzer, problemlos zu kopieren und zu vervielfältigen. Selbst die vorhandenen Kopierschutzmaßnahmen sind oft nur für den "Leihen" wirklich wirksam.
Eine Person leit sich einen Film aus, kopiert diesen und gibt die Kopien weiter. DVD Rohlinge kosten heute bereits weit unter einem Euro und DVD-Brenner befinden sich in fast jedem aktuellen Computer. Wenn diese Kopien auch nur in der eigenen Verwandtschaft "getauscht" würden, hätte die Filmindustrie wahrscheinlich noch nicht einmal so ein Problem damit. Einige Leute verbreiten diese Filme dann aber in großem Stiel über Tauschbörsen im Internet oder wollen sogar noch mit dem Eigentum der Rechteinhaber selber das schnelle Geld verdienen und verkaufen solche "selbst hergestellten" DVDs.

 

An der DVD kann die Filmindustrie nichts mehr groß ändern (lassen), als nur mehr oder weniger wirksame Kopierschutzmaßnahmen zu benutzen. Schließlich gibt es die DVD schon seit vielen Jahren und die Abspielgeräte müssen die Scheiben ja auch alle lesen können. Änderungen und die damit verbundene Anschaffung neuer Abspielgeräte (DVD-Player) würden die Verbraucher wahrscheinlich nicht mehr hinnehmen, schließlich gibt es ja schon tausende Filme auf dem Markt.

 

Nun ist der DVD Nachfolger "Blu-ray" und die bereits wieder eingestellte Technik "HD-DVD" auf dem Markt. Für diese Scheiben spricht die ausgezeichnete Ton- und Bildqualität. Um diese nutzen zu können, werden auf jeden Fall neue Laufwerke (Player) benötigt. Da neue Abspielgeräte angeschafft werden müssen, kann dort auch gleich der AACS Kopierschutz integriert werden. Aktuelle "Blu-ray" Abspielgeräte kommen somit heute alle mit dem AACS Kopierschutz zurecht.
Wahrscheinlich wird auch IPTV, also das Fernsehen über das Internet, diesen Kopierschutz für bestimmte Sendungen benutzen. 

 

Wie arbeitet AACS?

 

Zuerst einmal werden die Daten mit einem 128 Bit Schlüssel nach dem "AES (Advanced Encryption Standard)" verschlüsselt. Um diese zu entschlüsseln, also anzusehen, wird ein "Schlüsselcode" benötigt, der bei 128 Bit Länge nur mit großem Aufwand zu knacken ist. Der Schlüssel wird teilweise aus dem so genannten "Device Key Block" des Abspielgerätes und einem auf der Disk vorhandenen "Media Key Block" ermittelt.
Des Weiteren kann AACS festlegen, wie das entschlüsselte Signal dann weitergegeben werden kann. HD-Qualität wird es nur noch an mit HDCP geschützten digitalen Ausgängen "HDMI" bzw. "DVI" geben. Damit entsteht ein komplett geschlossener Kopierschutz-Kreis. HDCP verhindert das abgreifen des Bildsignales z.B. an einem Aufnahmegerät. Damit kann das Bild dann zwar an einem HDCP fähigen LCD- bzw. Plasma Fernseher oder Beamer (Projektor) ausgegeben, aber nicht mehr aufgezeichnet werden.

 

AACS kann auch die Bildausgabe an den analogen Bildausgängen, soweit vorhanden regeln. So ist es möglich, dass die Rechteinhaber eine analoge Bildauagabe zwar gestatten, aber nur in "schlechter" PAL Qualität. Allerdings wird das in naher Zukunft immer weiter abnehmen. AACS wird dann die analoge Bildausgabe ganz verhindern. Gerade weil über den analogen "Component Video" Anschluss theoretisch auch eine HDTV Bildausgabe möglich wäre.
Ab dem Jahr 2012 dürfen auch HD-Geräte wie z.B. "Blu-ray" Abspielgeräte oder Receiver für HDTV nicht mehr mit analogen Bildausgängen hergestellt werden. Ab 2015 soll dann auch der Verkauf solcher Geräte verboten werden. Spätestens dann besteht mit AACS und HDCP an den digitalen Bildanschlüssen ein guter Kopierschutz.

Kann ein mit AACS geschütztes Signal noch aufgenommen werden?

Nun ja, sicher nicht mehr wie bisher. Einfach einen Videorekorder oder einen DVD Rekorder an ein Gerät anschließen und auf die Aufnehmetaste drücken, geht sicher nicht mehr. Das Bild wird später nur noch über digitale Bildanschlüsse wie "HDMI" oder "DVI" ausgegeben werden. Diese Anschlüsse werden dann mit HDCP geschützt. Das heißt nur zertifizierte Geräte erhalten die Lizenz HDCP verwenden zu können. Einfache Aufnahmegeräte werden eine solche Lizenz wohl nie bekommen. Bei Verwendung eines Gerätes ohne HDCP bleibt das Bild schwarz.
Als einzige Möglichkeit werden wohl nur Festplatten Rekorder die Möglichkeit haben, Filmmaterial das mit AACS geschützt ist, aufzunehmen. Hier wird das Bildsignal ja nicht nach aussen geführt, wo es abgegriffen werden könnte. Natürlich werden auch die Aufnahmen auf der Festplatte durch AACS geschützt gespeichert. Sie können dann nur von diesem Festplatten Rekorder wieder abgespielt werden. Das kopieren auf ein anderes Medium , oder das ausbauen der Festplatte und das abspielen des Inhaltes z.B. über einen Computer wird vom Kopierschutz dann verhindert.

Bei der Übertragung über die digitalen Anschlüsse, die mit HDCP geschützt sind, ist es wie gesagt wichtig, dass die verbundenen Geräte alle HDCP unterstützen. Ist das nicht der Fall, bleibt der Fernseher schwarz. Bei aktuellen Geräten ist das heute aber bereits Standard. Sowohl LCD-, Plasma Fernseher oder Beamer (Projektoren) als auch HDTV Abspielgeräte besitzen heute digitale Bildanschlüsse mit HDCP Unterstützung.
Selbst im Computerbereich wird HDCP heute fast von allen Geräten unterstützt. So kommen auch aktuelle Grafikkarten und LCD Monitore mit HDCP zurecht. Das ist auch immer wichtiger, da z.B. Blu-ray Laufwerke im Computerbereich und auch digitale HDTV SAT-Karten immer günstiger werden. Auch hier ist ein sicherer interner Datenaustausch wichtig. Ein Blu-ray Laufwerk oder eine SAT-Karte gibt die Bilddaten verschlüsselt über den PCI-Express Port an die Grafikkarte weiter. Diese entschlüsselt das Bildsignal und gibt es an den mit HDCP geschützten digitalen Bildausgang aus.
Das kopieren von Blu-ray Filmen auf Computerfestplatten wird AACS natürlich verhindern. Wie es mit geschützten Fernsehfilmen aussieht, kann ich heute noch nicht sagen. Wahrscheinlich wird das wie bei Festplatten Rekordern möglich sein, da Computer auch immer häufiger als "Media Center" bzw. "HTPC" im Wohnzimmer eingesetzt werden.

 
 

Wie werden Rohlinge geschützt?

 

Auch für die neue Laufwerksgeneration der BluRay Disk, bzw.der inzwischen wieder eingestellten HD-DVD Technik gibt es beschreibbare Rohlinge. Ungeschützte Daten können dann weiterhin problemlos auf diese Rohlinge geschrieben werden. Wird aber versucht einen mit AACS geschützten Film zu kopieren, wird der Kopierschutz aktiv. Verbietet der Rechteinhaber solche Kopien komplett, wird der Kopiervorgang gar nicht erst starten. Erlaubt der Rechteinhaber bestimmte Kopien, werden diese mit AACS auf den Rohling geschrieben. Jeder Rohling wird dafür einen eigenen "Media Key Block" zum entschlüsseln besitzen. Damit ist es möglich den Film so zu kopieren, dass dieser nur auf einem bestimmten Laufwerk wiedergegeben, nicht ein zweites mal kopiert werden kann, oder die Kopie z.B. nur 7 Tage lauffähig ist.

Was ist bei Manipulation der Firmware?

 

Heute hört man ja viel von modifizierten Firmware-Versionen für verschiedene Geräte in der Unterhaltungselektronik. Da wird das "Steuerprogramm" von versierten Anwendern so umgeschrieben, dass z.B. der Ländercode auf DVDs nicht berücksichtigt wird oder ein DVD-Player neue Funktionen bekommt, oder weitere Abspielformate beherrscht.
Selbst daran haben die Entwickler von AACS gedacht. In jedem Abspielgerät ist ein so genannter "Device Key Block" also ein "Gerätecode" gespeichert, der auch für die Entschlüsselung der AACS geschützten Daten verwendet wird. Anhand dieses Codes kann jede Geräteklasse eindeutig identifiziert werden.
Auf den gekauften Medien (Filme) wird der Rechteinhaber eine so genannte "schwarze Liste" der Gerätecodes ablegen, die bei der "AACS LA Organisation" als geknackt gelten. Beim einlegen jeder Disk wird diese Liste mit dem Gerätecode des Abspielgerätes verglichen. Befindet sich das verwendete Gerät in der Liste, wird dieses für die Wiedergabe AACS geschützter Dateien gesperrt.
Die "schwarze Liste" wird ständig von der "AACS LA Organisation" überarbeitet und in aktueller Version auf neue Medien gespeichert. So kann es vorkommen, dass eine ältere Disk problemlos gezeigt wird und sobald eine aktuelle Disk eingelegt wird das Abspielgerät blockiert wird. Danach ist dann auch die ältere Disk nicht mehr lauffähig.

 

Wie geht es weiter?

 

Die Entwicklung von AACS ist bis heute noch nicht abgeschlossen. So ist es sogar möglich, dass die ersten verkauften Geräte mit AACS nur eine bestimmte Zeit funktionieren werden. Wenn AACS weiterentwickelt wird und eventuell gravierende Änderungen vorgenommen werden (müssen), ist es möglich, dass in ein paar Jahren die dann aktuellen Medien nicht mehr mit den dann "alten" Abspielgeräten funktionieren.
Auch ist es schon jetzt geplant die analogen Anschlüsse an Geräten ganz abzuschaffen. Bis 2012 dürfen z.B. nur noch Geräte mit Hochauflösendem analogen "Component Video" Anschluss verkauft werden. Bis 2015 sollen dann gar keine Geräte mehr mit analogen Ausgängen verkauft werden dürfen.

 

Bleibt zu hoffen, dass die Unterhaltungselektronik und der Filmindustrie nicht nur an sich und das möglichst sichere schützen der Daten denken sondern auch den Anwender im Auge behält, der nichts illegales mit dem Material vor hat, sondern nur mal zwischendurch auch etwas für sich aufnehmen möchte …

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Letzte Aktualisierung: 25.02.2017
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