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Fernsehen zu Hause im Wohnzimmer kennt jeder. Nur was ist, wenn man unterwegs ist und gleichzeitig auch eine interessante Fernsehsendung nicht verpassen will? Da kommen die portablen Fernseher ins Spiel. Inzwischen gibt es kleine mobile Fernseher, die das Programm über DVB-T inzwischen fast überall in Deutschland und sogar in mehreren Ländern innerhalb Europas empfangen können.
Doch diese portablen Fernseher sind schön und gut, doch muss man ständig an sie denken und zusätzlich mitschleppen.
Genau dieses Problem umgeht man mit "Handy-TV". Sein Handy (Mobilfunktelefon) hat man meistens immer dabei. Viele Menschen fühlen sich sogar "nackt" wenn Sie mal das Handy vergessen. Das hat inzwischen auch die Industrie erkannt und somit das Handy-TV zum Leben erweckt.

 

Kann man jedes Handy für "Handy-TV" nutzen?

 

Auf diese Frage ein klares "Nein". Um sich vernünftig Fernsehsendungen anzusehen sollte das Handy ein recht gutes und möglichst großes Farbdisplay besitzen. Was nützt ein Fernsehempfang, wenn man auf dem Display nichts erkennen kann?
Des Weiteren muss das Handy mindestens eine von derzeit drei TV-Empfangswegen besitzen. Zwei dieser Empfangswege sind rein für den TV-Empfang entwickelt worden und der Dritte nutzt das neue UMTS Handynetz. Alle diese Empfangswege haben ihre Vor- und Nachteile, dazu später mehr. Allerdings gleich Vorweg: DVB-H sollte "DER" Empfangsweg für "Handy-TV" werden. Allerdings gab es bereits in der Testphase Probleme, so dass die DVB-H Ausstrahlung bei uns in Deutschland derzeit komplett eingestellt ist.
Ist das Handy aber UMTS fähig und besitzt eine vernünftige Anzeige, könnte man theoretisch damit schon "Handy-TV" nutzen.

 

Welche Empfangswege gibt es?

  • Zuerst einmal das oben bereits angesprochene UMTS Mobilfunknetz. Da es sich dabei wie gesagt um ein Mobilfunknetz handelt, können die Fernsehbilder nicht "einfach" uneingeschränkt, wie beim herkömmlichen Fernsehen angesehen werden. Im Prinzip bietet der Anbieter zwei Möglichkeiten an, sich bestimmte Programme anzusehen: Die Erste Möglichkeit ist, das der Nutzer das gewünschte Programm auswählt und dieses über das Handynetz "bestellt". Der Anbieter sendet daraufhin die gewünschte Sendung zum Nutzer, der diese auf seiner Handy-Anzeige anschauen kann. Wenn man es genau nimmt, handelt es sich hier also um eine Art "Sendung auf Bestellung" oder auch "Video-on-Demand" genannt. Die Zweite Möglichkeit ist, dass Sendungen wie im "richtigen" Fernsehen zu bestimmten Zeiten beim Anbieter gestartet werden. Aber auch für diese muss man sich über das UMTS-Netz "anmelden". Der Anbieter schaltet dann die Übertragung zum anfordernden Handy frei. Man nennt diese Übertragungsart auch "Multicast", da der Empfangbare Datenstrom für alle zugeschalteten Handys gleich ist.
  • Eine reine Empfangsmöglichkeit für "große" TV-Geräte ist "DVB-T". Diese digitale, terrestrische Empfangsmöglichkeit wurde ursprünglich als Ersatz für den analogen terrestrischen Empfang über Antenne entwickelt und war eigentlich nur für "normale" Fernseher gedacht. Dementsprechend sendet man derzeit über DVB-T auch in PAL-Qualität, was für die kleinen Anzeigen eines Mobiltelefons allerdings etwas übertrieben ist, dafür aber eine gute Qualität liefert. Inzwischen können die Empfänger so klein gebaut werden, dass diese auch in ein Handy passen. Da auch die DVB-T Ausstrahlung in Deutschland und sogar teilweise auch in Europa inzwischen so weit ausgebaut ist, das eine fast flächendeckende Empfangsmöglichkeit besteht, eignet sich DVB-T auch als Empfangsweg für Handys. Ein großer Vorteil von DVB-T ist noch, dass diese Empfangsmöglichkeit, im Gegensatz zu den anderen zwei Möglichkeiten, kostenlos ist. Dieser Umstand macht DVB-T derzeit zur Nummer 1 unter den Empfangsformen für "Handy-TV".
  • Einen reinen TV Empfangsweg für mobile Geräte (Handhelds) stellt "DVB-H" dar. Diese TV Empfangsmöglichkeit wurde speziell für kleine Anzeigen und dem mobilen Einsatz unterwegs entwickelt. Dementsprechend eignet sich DVB-H besonders gut für Handys, da auch die zu übermittelnden Daten entsprechend verkleinert (komprimiert) und an die Auflösung für kleine Anzeigen angepasst werden. DVB-H wurde von der EU (Europäischen Union) als offizieller TV Standard für mobile Geräte ernannt. Um die Versorgung mit entsprechenden Sendungen und den Aufbau des Sendenetzes kümmert sich das so genannte Konsortium "Mobile 3.0" die im Januar 2008 die offizielle Lizenz für DVB-H erhalten haben. Am 1. Juni 2008 konnte der Sendebetrieb in 4 Großstädten (Hamburg, Hannover, Frankfurt am Main und München) aufgenommen werden. Weitere Städte sollten kurz darauf folgen. Allerdings gab es von Anfang an Probleme: es waren bis zur Testphase kaum Handys mit DVB-H Empfänger verfügbar.
    So kam es wie es kommen musste, bereits einen Monat später musste der Betreiber, das Konsortium "Mobile 3.0" das scheitern von DVB-H bekanntgeben. Das Konsortium sollte bis spätestens 31. Oktober 2008 die Sendelizenzen an die Landesmedienanstalten zurückgeben. Zwar möchten die Landesmedienanstalten diese Lizenzen neu ausschreiben, aber ob sich nach dem Erfolg von DVB-T nun DVB-H noch verkaufen lässt, bleibt abzuwarten.

Bevor DVB-H in der EU als Standard ernannt wurde, versuchte man auch hierzulande eine aus Korea stammende TV Übertragungstechnik einzuführen:

  • Diese Übertragungstechnik nennt sich DMB (Digital Multimedia Broadcasting) und lehnte sich an die bei uns noch benutzte DAB Technik für digitalen Radioempfang an. Während der Testphase waren auch ein paar wenige Handys mit DMB Empfänger bei uns erhältlich. Am 01.Mai 2008 wurde aufgrund der Entscheidung, DVB-H als Standard für mobile Geräte in der EU zu unterstützen, der DMB Betrieb eingestellt. Ich gehe daher in diesem Artikel auch nicht mehr weiter auf DMB ein.

Vor- und Nachteile der drei Empfangsmöglichkeiten:

 

Alle drei Empfangsmöglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile. Ich möchte somit hier die Wichtigsten Vor- und Nachteile einmal nebeneinander aufzeigen (Stand Juli 2008):

TV Form  Vorteile  Nachteile 
UMTS   - inzwischen recht weit ausgebautes Netz
- Viele UMTS Handys verfügbar
- Auch in Bus und Bahn verwendbar.  
- nicht kostenlos nutzbar
- noch recht wenig Programme verfügbar
- schlechtes Bild, teilweise mit Rucklern 
DVB-T   - Viele Programme fast flächendeckend verfügbar
- Kostenlos nutzbar
- Hohe Auflösung (PAL) daher gutes Bild  
- noch wenige Handys mit DVB-T verfügbar
- In Bus und Bahn meistens nicht nutzbar  
DVB-H   - recht gutes Bild, ruckelt aber bei schnellen Bewegungen
- Gut in Bus und Bahn verwendbar 

- nur wenige Handys mit DVB-H verfügbar
- noch wenige Programme verfügbar (Testbetrieb)
- Derzeit noch kein ausgebautes Netz
- Nicht kostenlos nutzbar  

Wie ist die Netzabdeckung bei Handy TV?

 

Handy TV ist noch ein neues Einsatzgebiet für Handys. Dementsprechend befindet sich derzeit (Juli 2008) dieser Bereich noch komplett im Aufbau.
Der DVB-H Betrieb ist, nach einer Testphase in 4 Großstädten, inzwischen wieder eingestellt. Es gab seitens der Handyhersteller nur wenig Akzeptanz für DVB-H. Das liegt wahrscheinlich daran, dass DVB-T inzwischen weit verbreitet ist und darüber hinaus kostenlos angeboten wird. Somit bauen die Hersteller lieber einen DVB-T Empfänger in ihre Handys ein, da sich die Geräte dann besser verkaufen lassen.
DVB-T ist da schon ein Schritt weiter. Dadurch dass diese Empfangstechnik eigentlich für "normale" Fernseher gedacht war und die Einführung nun schon vor einiger Zeit begonnen wurde, ist das Netz schon fast flächendeckend in Deutschland ausgebaut. Es gibt allerdings auch Gegenden, in denen es mit DVB-T Empfangsprobleme gibt. Außerhalb von Städten benötigt man häufig Antennen mit einem Verstärker (Aktivantennen), die meistens nicht mit einem Handy funktionieren. Auch ist die Auswahl von Handys mit DVB-T Empfangsteil noch nicht so groß, so dass man da viel Wahlmöglichkeiten hat.
Anders sieht es da bei UMTS aus. Hier ist das Handynetz auch schon recht weit ausgebaut und es gibt viele Handys mit UMTS zur Auswahl. Allerdings ist das UMTS Netz noch nicht Lückenlos. Bei einer Sprachverbindung oder bei SMS ist das noch nicht so schlimm, in den UMTS-Lücken schaltet das Handy einfach auf das GSM Netz um. Bei einer TV-Übertragung kann es da schon mal zu Aussetzern oder gar Abbrüchen kommen, wenn man sich aus einem UMTS Netz bewegt. Das Programmangebot im UMTS-Netz ist auch nicht so umfangreich und flexibel wie beim herkömmlichen Fernsehen.

 

Was muss ein Handy für TV sonst noch können?

 

Wenn das Handy als TV fähig verkauft wurde, sollte der Empfang von Fernsehsendungen funktionieren. Natürlich klappt das nur mit der Technik, mit der das Handy ausgestattet ist. Für DVB-T und DVB-H müssen entsprechende Empfangsteile im Handy eingebaut sein, die sich auch nicht nachrüsten lassen. Bei UMTS wird eine spezielle Software auf dem Handy benötigt, um Sendungen zu bestellen und vor allem, um sich diese auch anzusehen.

 

Was ist sonst noch mit einem TV-Handy möglich?

 

UMTS und auch DVB-H nutzen einen so genannten "Rückkanal". Das heißt, diese Mobiltelefone können nicht nur Fernsehbilder empfangen, sie können auch Informationen senden. So ist es möglich, z.B. Bestellungen von Sendungen aufzugeben, an Quizsendungen teilzunehmen oder Waren bei einem Shopping-Sender zu bestellen. DVB-T Handys sind wie auch der DVB-T Empfang zu Hause nicht Rückkanal fähig.

 

Wie viele Programme stehen zur Verfügung?

 

Da sich das Handy TV noch im Aufbau befindet, kann natürlich hier nur die derzeitige Lage (Mitte 2008) beschrieben werden.
Hier hat sicher DVB-T die Nase vorne, wenn auch nicht überall. In Großstädten kann man bis zu 24 Sender empfangen, in anderen Gebieten häufig nur 8 bis 12. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind immer dabei, die privaten Sender wie RTL und SAT1 häufig nur in Großstädten. Darüber hinaus sind die Sender überall auf anderen Sendeplätzen verteilt. Reist man z.B. quer durch Deutschland muss man ständig einen Sendersuchlauf starten.
Beim UMTS Netz ist eine Aussage schwer zu treffen. Es werden meistens eigene Programme zusammengestellt, oder wenige private Sender übernommen. Dafür gibt es im UMTS Netz aber auch Besonderheiten, die es im "normalen" Fernsehangebot nicht gibt, wie z.B. Bundesliga Übertragungen. Die Anzahl der verfügbaren Sender ist Anbieterabhängig und liegt so zwischen 2 und über 30 Sendern. O2 ist derzeit mit 2 Sendern, aber mehreren Sparten Schlusslicht. Vodafone führt mit über 30 Sendern, von denen sogar ein paar kostenlos sind. T-Mobile liegt dazwischen und hat um die 20 Sender im Angebot.
DVB-H befindet sich noch komplett im Aufbau und wird wohl auch nicht weiter ausgebaut werden. In den genannten vier Großstädten sollen noch bis zu 14 Programme verfügbar gewesen sein. Es handelt sich dabei sowohl um alle wichtigen öffentlich-rechtlichen als auch um private Sender. Eigentlich sollten auch noch spezielle DVB-H Programme folgen, die ein interaktives Mitarbeiten ermöglichen. Derzeit ist der DVB-H Empfang allerdings komplett eingestellt.

 

Fallen zusätzliche Kosten für Handy TV an?

 

Für UMTS und DVB-H werden zusätzliche Kosten anfallen, jedenfalls für die meisten Übertragungen. Bei UMTS wird es wie im Handynetz üblich "Sondertarife" geben, die man zum normalen Handytarif dazu buchen muss. Es soll dabei Tages und auch Monatstarife geben. Die Preise liegen zwischen 1 Euro und 10 Euro.
DVB-H befindet sich noch im Aufbau, sollte aber etwa 5 bis 10 Euro im Monat kosten.
Der Empfang über DVB-T ist, wie beim "großen" Fernseher (noch) kostenlos. Das ist auch sicher ein großer Anreiz sich für DVB-T zu entscheiden, auch wenn es vielleicht nicht so flexibel wie DVB-H ist. Das "noch" habe ich oben in Klammern gesetzt, da es hinter vorgehaltener Hand auch schon Überlegungen gibt DVB-T und auch DVB-S / DVB-S2 zu verschlüsseln und somit nur noch gegen Gebühr frei zu schalten. Das wäre dann wohl auch das "AUS" für Handy TV per DVB-T.

 

Fazit:

 

Nun ja, DVB-H zählt theoretisch zum offiziellen Standard für TV-Übertragungen auf mobilen Geräten. Da aber die Mobilfunkfirmen lieber auf UMTS setzen, oder aber das kostenlose DVB-T einsetzen, ist DVB-H nicht gerade "beliebt". Auch hat sich der Sendestart immer wieder verschoben. Aus diesen Gründen musste das Konsortium "Mobile 3.0" den Sendeausbau stoppen und den Betrieb wieder einstellen. Ob und wann DVB-H bei uns verfügbar sein wird, steht somit wieder in den Sternen.
DVB-T ist kostenlos zu empfangen und daher bei den Kunden sehr beliebt. Hier wird das Angebot an Handys in der nächsten Zeit sicher stark zunehmen.
Die Mobilfunkfirmen sind weder an DVB-H noch an DVB-T beteiligt und werden vermutlich das UMTS Handy TV weiter vorantreiben wollen, da sich damit neues Geld in die Kassen bringen lässt. Aber auch hier hängt die Akzeptanz stark vom Angebot ab.
Welches der drei Empfangswege in ein paar Jahren das Beste Angebot haben wird, kann heute sicher keiner vorhersagen.

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