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DAB LogoGenau so wie das Fernsehen wurde auch das Radio lange Zeit nur über analoge Frequenzen (UKW, MW, LW) ausgestrahlt. Im Zeitalter der digitalen Übertragung ist das allerdings nicht mehr Stand der Technik. Beim Fernsehen hat man bereits vor einigen Jahren damit begonnen die terrestrische Übertragung (Empfang mit einfacher Zimmerantenne) von analog auf digital (DVB-T) umzustellen. Bereits 2009 wurde der analoge, terrestrische Fernsehempfang in Deutschland eingestellt. Bis 2012 soll es europaweit keinen terrestrischen, analogen Fernsehempfang mehr geben.
Selbst beim Satellitenfernsehen wurde am 30.04.2012 in Deutschland die analoge Übertragung eingestellt, hier wird auch nur noch digital über DVB-S / DVB-S2 gesendet.

Digital-Radio LogoWas ist nun mit dem digitalen Radio?

Genau da sind wir auch schon bei diesem Beitrag. DAB steht für "Digital Audio Broadcasting" und ist der digitale, terrestrische Radioempfang. DAB arbeitet im Frequenzbereich von 30 MHz bis 3 GHz. Entwickelt wurde DAB in Europa im Eureka-147-Projekt in den Jahren 1987 bis 2000. In Deutschland wurde DAB im Jahr 2001 unter dem Begriff "Digital Radio" eingeführt. Zur Kennzeichnung wurde ein orangefarbenes Logo mit einem Kreis gewählt (siehe rechts).

Welche Frequenzen sind für DAB vorgesehen?

Für das Digital Radio wurde ein großer Frequenzbereich von 30 MHz bis 3 GHz festgeschrieben. Allerdings sind davon natürlich nicht alle Frequenzen uneingeschränkt nutzbar. Man hat in diesem Frequenzbereich vier "Bänder"  für die Nutzung von DAB eingeteilt. Eine Ausnahme bildet noch Kanal 13, der nur in bestimmten Ländern genutzt werden darf, nicht aber z.B. in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

  • Band I = 47 bis 48 MHz (VHF Bereich). Hier wurde das analoge, terrestrische Fernsehen übertragen.
  • Band II = 87,5 bis 108 MHz (UKW Bereich). Hier werden derzeit noch die analogen UKW Sender ausgestrahlt.
  • Band III = 174 bis 230 MHz
  • Kanal 13 = 230 bis 240 MHz (in Deutschland nicht genutzt)
  • L-Band = 1,46 bis 1,48 GHz (auch über Satellit zu empfangen – terrestrisch geringe Reichweite)

Band I wird derzeit noch nicht für DAB genutzt. Hier werden noch Frequenzen für andere Zwecke verwendet.  Dieser Bereich kann aber sicher bald auch für DAB freigegeben werden.
Band II wird komplett vom analogen UKW Radio verwendet und steht somit derzeit nicht für DAB zur Verfügung.
Band III ist das derzeit genutzte Frequenzband für DAB in Deutschland.
Kanal 13 darf bei uns nicht verwendet werden
L-Band hat durch die hohe Frequenz nur eine geringe Reichweite und ist somit terrestrisch nur für eine lokale Versorgung zu verwenden.

Werden für DAB neue Radios benötigt?

Ja! DAB ist eine ganz neue Technik, die sich komplett von der analogen Empfangstechnik unterscheidet. Dadurch können herkömmliche Radios keine digitalen DAB Sender empfangen. Allerdings gibt es auch Radios, die neben dem neuen DAB Radio auch zusätzlich das analoge UKW Radio empfangen können.

DAB, die Entwicklung

DAB wurde wie gesagt bereits seit 1987 in Deutschland entwickelt. Ab 1995 begannen die Sender mit der Ausstrahlung des digitalen Radios, allerdings nur sehr zögerlich. Am schnellsten verbreitet wurde DAB im Bundesland Bayern. Hier gibt es bereits seit 1999 einen flächendeckenden DAB Radioempfang. Bayern baute ab 2010 sogar ein weiteres digitales DAB Netz.

Im Großen und Ganzen fand DAB allerdings wenig Zuspruch. Da man für den Empfang neue (teurere) Geräte benötigt, und der Empfang längst nicht so flächendeckend möglich war, wie der Empfang des UKW Radios. Einige Sender stellten nach dem Probebetrieb Ende der 1990 Jahre die DAB-Ausstrahlung wieder ein. In Berlin z.B. konnte man nach der Umstellung auf das digitale Antennenfernsehen DVB-T auch Radio darüber empfangen, was DAB auch nicht gerade zugute kam.

Als dann noch Anfang des neuen Jahrhunderts die staatlichen Subventionen für DAB weggefallen sind, stellten viele Sender, besonders die privaten, ihre Ausstrahlung über DAB ein.
Dazu kam es auch zu Leistungsbeschränkungen bei den Frequenzen, um Störungen des militärisch genutzten Frequenzbereichs oberhalb 230 MHz zu verhindern. Durch diese Leistungsbeschränkungen kam es oft zu Empfangsproblemen in den Häusern. 2007 einigte man sich hier mit der Bundeswehr und man konnte die Leistung wieder erhöhen. Einen Erfolg brachte das allerdings auch nicht.

Dann im Juni 2009 kam der nächste Schlag gegen DAB: die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) sperrte die Mittel für DAB der öffentlich rechtlichen Sender ARD und Deutschlandradio. Die Begründung lautete, dass die Sender die abgestimmten Kriterien nicht erfüllten würden. Die KEF empfahl sogar zu prüfen, ob man nicht DAB komplett einstellen kann und alles auf DVB-T umstellen sollte.

Das war dann auch das absolute Tief für DAB. Ende 2009 ging es dann wieder etwas aufwärts. Es zeigten wieder ein paar private Sender Interesse an einem digitalen Sendeplatz. Allerdings dümpelte das DAB-Geschäft bis dahin nur für Technikfreaks in bestimmten Empfangsgebieten vor sich hin. Lediglich das Bundesland Bayern wurde weiterhin fast flächendeckend mit DAB versorgt.

Das "neue" DAB+

DAB-plus-LogoWas beim Fernsehen problemlos funktioniert hat, sollte auch beim Radioempfang möglich sein: die digitale Übertragung. Man musste somit DAB interessanter für die Sender, aber auch für die Hörer machen. So entschloss man sich 2011 dazu DAB "umzubauen". Das neue DAB+ sollte ein effizienteres Kanalcodierungsverfahren (HE AAC+ V2) sowie neue Kompressionsverfahren beinhalten. Dadurch war es möglich, bei gleicher Sendeleistung eine höhere Reichweite und Empfangssicherheit zu erreichen. Die Ausstrahlung von DAB+ sollte zum 01.08.2011 starten. Es war geplant gleich mit einem bundesweit ausgerichteten Multiplex zu starten. Man nannte diesen "Bundesmux". Es sollten sofort die öffentlich rechtlichen Sender sowie private Sender den Sendebetrieb aufnehmen. Verhandelt wurde das vom Netzbetreiber "Media Broadcast". Die privaten Sender bekamen Unterstützung des Chipherstellers "Frontier Silicon", der einen vierjährigen Werbevertrag abgeschlossen hat und damit die privaten Sender finanziell unterstützte.

Es gelang "Media Broadcast" damit, zum 01.08.2011 den Betrieb mit 14 Sender zu starten. Die DAB+ Auslastung im "Bundesmux" betrug damit mehr als 85 %. Damit waren auch die von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) geforderten Kriterien erfüllt und die im Juni 2009 gesperrten Mittel der öffentlich rechtlichen Sender ARD und Deutschlandradio wurden wieder frei gegeben. Die Ausstrahlung konzentrierte sich in Erster Linie auf die Ballungsgebiete und auf Autobahntrassen.
Auch das bereits sehr gut mit DAB versorgte Bundesland Bayern begann ab 01.08.2011 damit den Sendebetrieb auf das neue DAB+ umzustellen.

Wie sieht die weitere Entwicklung von DAB+ aus?

Seit 2012 wird DAB+ weiter ausgebaut. Es werden natürlich die Gebiete mit hoher Bevölkerungsdichte bevorzugt. Daneben werden weitere Autobahnbereiche mit DAB+ versorgt. Derzeit sollen bereits fast 80% der Bevölkerung DVB+ empfangen können. Bis September 2015 ist geplant, dass alle Bürger in Deutschland über etwa 110 Senderstandorte mit digitalem DAB+ Radio versorgt werden.
Ursprünglich war sogar angedacht, das analoge Radio und Fernsehen bis ende 2012 komplett abzuschalten. Im Bereich Fernsehen ist man heute bereits auf einem guten Weg. Hier wird lediglich noch über Kabelfernsehen analoges Programm gesendet. Beim Radioprogramm wird es sicher noch bis zum Komplettausbau von DAB+ im Jahr 2015 dauern, bis hier Sender über die Abschaltung von analogen Sendern nachdenken können.

Gibt es auch in anderen Ländern DAB+?

Dazu ein klares Ja! Inzwischen wird in über 40 Ländern Radio über DAB ausgestrahlt. Allerdings hatten auch hier viele Länder mit abnehmender Akzeptanz von DAB zu kämpfen. Seit 2011 wird aber auch in Österreich, der Schweiz und in der gesamten Europäischen Union der DAB(+) Radioempfang ausgebaut. In manchen Ländern mehr, in anderen weniger.
DAB Radioempfang gibt es unter anderem fast flächendeckend in Belgien, Dänemark, Schweiz und England. In den Niederlanden, Frankreich und in Kanada derzeit nur in einigen Bereichen. Italien versorgt Ballungsräume vor allem mit Privatsendern.

Ist DAB und DAB+ kompatibel zueinander?

Mit alten DAB Radios kann heute leider kein aktuelles DAB+ Radio empfangen werden. DAB verwendete für die Übertragung das "MPEG-1 Layer 2" Format. Sender die ihren Betrieb bereits komplett auf DAB+ umgestellt haben, nutzen auch die neue Kodierungstechnik, alleine um eine bessere Qualität und Erreichbarkeit zu erzielen. DAB+ bietet dafür die so genannte "HE AAC+ V2" Kodierung an. Verwendet ein Sender diese Kodierung, wird für den Empfang ein Radio mit "HE AAC+ V2" Dekodierung benötigt. Diese haben aber nur DAB+ Empfänger. Somit wird ein älteres DAB Radio heute nur sehr wenige Sender empfangen können. Die meisten Hersteller bieten auch keine Möglichkeit einen DAB Empfänger umzurüsten. Irgend wann verwendet wahrscheinlich jeder Sender die neue Kodierung, dann ist ein reines DAB Radio Elektronikschrott.

Umgekehrt sind allerdings alle aktuellen DAB+ Empfänger auch in der Lage das ältere DAB im MPEG-1 Layer 2 Format zu empfangen.

Kann DAB+ problemlos auch in Räumen empfangen werden?

Leider ist ein DAB+ Empfang in Räumen nicht so gut möglich wie der Empfang analoger UKW Sender. Für einen guten Empfang muss ein ausreichend starkes Signal vorhanden sein. Im Freien und im Auto mit Dachantenne ist dagegen ein guter DAB+ Empfang möglich.

Wird DAB+ inzwischen von den Verbrauchern angenommen?

Der Absatz von DAB+ Empfängern soll angeblich im akzeptablen Rahmen liegen. Auch stehen heute bereits einige DAB+ Empfänger zur Verfügung. Bei Autoradios gibt es allerdings noch nicht ganz so viel Auswahl. Die Empfänger beginnen bei einem Preis von etwa 40,00 EUR.
Allerdings werden auch heute noch mehr UKW Radios als DAB+ Empfänger verkauft. Auch das ist ein Grund dafür, warum man die Umstellung von analogem Radio zu digitalem Radio noch nicht so schnell durchsetzen kann.

Wird über DAB(+) nur reines Radio gesendet?

Nein, wie auch schon beim UKW Radio werden auch über DAB(+) spezielle Dienste angeboten. Auch ist eine Übertragung von MPEG Surround Sound mit 5.1-Raumklang möglich.
Folgende Dienste werden derzeit bereits über DAB(+) angeboten:

  • MOT (Multimedia Object Transfer). Das MOT Protokoll kann z.B. dafür benutzt werden, um über DAB(+) so genannte "Broadcast Web Sites (BWS)" = ganzer HTML-Baum mit Startseiten und interaktiven Elementen zu übertragen. Auch können „SlideShows (SLS)“ = grafische Zusatzinformationen, übertragen werden.
  • DLS (Dynamic Label Segment). Wie beim analogen UKW Radio wird über DLS so genannter "Radiotext" übertragen. Über diesen Text können dann z.B. der Interpret und die Liedtitel gesendet werden. Es sind hier maximal 128 Zeichen je Textnachricht möglich.
  • TMC (Traffic Message Channel). Auch das ist ein bekannter Dienst vom analogen UKW Radio. Über diesen Dienst können in komprimierter Form Verkehrsinformationen gesendet werden.
  • TPEG  (Transport Protocol Experts Group). Das ist eine Weiterentwicklung zum TMC. Über TPEG sollen z.B. ausführlichere Verkehrs- und Reiseinformationen übertragen werden. Beteiligt am Aufbau sind in Deutschland unter anderem die großen Autobauer sowie Autoradio- und Navigationsgeräte Hersteller.
  • IP over DAB. Hierüber können IP-Pakete von bestimmten Diensten übertragen werden. Das können z.B. kurze Videos sein. Allerdings bietet DAB(+) keinen Rückkanal, kann also keine Daten senden. Somit sind hier nur Broadcast/Multicast Daten sinnvoll.

Da über DAB(+) größere Mengen an Daten zusätzlich zum Radioprogramm übertragen werden können, werden die zur Verfügung gestellten Daten z.B. zu Verkehrsinformationen auch ausführlicher sein, als es über UKW möglich war. Auch werden in den nächsten Jahren sicher weitere Dienste folgen, die über DAB(+) angeboten werden.

Fazit:

Digitales Radio ist sicher in heutiger Zeit eine sehr sinnvolle Einführung. Nachdem das Fernsehen inzwischen fast komplett digital gesendet wird, sollte man auch beim Radio nicht anhalten. Eine digitale Übertragung bringt viele Vorteile, so gibt es weniger Störungen und es lassen sich noch Zusatzdienste mit übertragen.

Allerdings darf man eine solche Umstellung nicht in kurzer Zeit "mit Gewalt" umsetzen. Es gab dafür zu lange die analogen Radios, die ja auch noch verkauft werden. Dazu kam die sehr schwerfällige Einführung des digitalen Radios. Man sollte jetzt die digitalen Radios weiter fördern, die Preise senken und das Programm ausbauen. Im gleichen Schritt müsste man dann die Herstellung und den Verkauf der analogen Radios schrittweise reduzieren.

Wenn es dann gute digitale Radios zu einem vernünftigen Preis gibt, die dann auch noch in der Lage sind, das analoge Radio zu empfangen, werden sicher auch die Absatzzahlen deutlich steigen.

Erst dann sollte man hier um eine Abschaltung der analogen Radiosender in betrachte ziehen.

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